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Die Alte Vogtei (1): Ein Kulturschatz wird neu entdeckt

Travemünde 21.04.2009 | Lässt man sich in der Alten Vogtei in der Vorderreihe auch nur für einen Kaffee oder ein Glas Wein nieder, kommt man aus dem Schauen und Staunen nicht heraus. Hatte schon die barocke Eingangstür beeindruckt und Neugier auf Mehr gemacht, wird der Besucher gleich darauf von der tiefrot gestalteten Halle und dem hölzernen, reich verzierten und ornamentierten Treppenaufgang gefangen genommen. Gleich hier kann er Platz nehmen – sehen und gesehen werden – oder sich in einen der kleinen Winkel des Gebäudes zurückziehen. Der Blick schweift nach oben: Schwarz ist die Decke und die oberen Wände. Der Besucher ist in der „Koke“, die auch als Räucherkammer diente, gelandet. Wozu diente einst dieser Mauervorsprung, was bewegte die Erbauer des Gebäudes, dort einen Balken einzuziehen?

MP
Kleinod in der Vorderreihe: Die Alte Vogtei | Foto: bs

Hausherr Egon Schmitz-Hübsch weiß Antworten auf diese Fragen, denn er hat die Alte Vogtei in den vergangenen Jahren zu neuem, pulsierendem Leben erweckt, und dies war ein wahrhaft steiniger Weg. Zwar war die Alte Vogtei auch bis 2002 ein imposanter Bau, aber im Inneren war seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts lediglich die Travemünder Polizeiwache untergebracht und als solche nur von gelegentlichem Interesse. 2005 ging das Haus in Privatbesitz über und im Zuge der Sanierungsarbeiten offenbarten sich Kulturschätze.

Unter den abgehängten Decken im ehemaligen Audienzhaus kamen Kassettenmalereien aus dem 17. Jahrhundert zum Vorschein, die weithin großes Aufsehen unter Kunsthistorikern fanden. Porträts römischer Kaiser und Lübeckische Wappen, die die Jahreszahl 1623 tragen, wurden sichtbar. Im Haupthaus wurden Deckenmalereien aus dem frühen 18. Jahrhundert freigelegt. Das Gebäude erwies sich seiner ehemaligen Bewohner, der Lübecker Vögte, würdig.

Natürlich verzögerten die Entdeckungen die Wiedereröffnung der alten Vogtei. Erst im Januar 2007 konnte Egon Schmitz-Hübsch das Kleinod wieder der Öffentlichkeit übergeben und die Travemünderinnen und Travemünder sind stolz auf ihren alten, neuen Kunstschatz. Im Erdgeschoss laden ein Restaurant und Café, eine Weinstube und erlesene Tees zu einem Besuch ein. Das „Zu-leben-Wissen“, gern auch als französisches „Savoir Vivre“ übersetzt, wurde zur Leitlinie für Küche und Keller der Alten Vogtei. Musikveranstaltungen mit Klassik und leichter Muse runden das Bild ab.

MP
Konzert am 6.3.2009 | Foto: bs

Im Obergeschoss macht seit über einem Jahr die „Künstlerei in der AltenVogtei“ der Malerin und Performerin Anja Es durch ihre wechselnden, hochwertigen Ausstellungen von sich reden und nicht zuletzt ist eine neue, zukunftweisende Idee in der Alten Vogtei geboren: Die „Wind Art“. Mit der Hilfe von Künstlern und Handwerkern – und natürlich Sponsoren – will Egon Schmitz-Hübsch „bewegte Kunst“ nach Travemünde bringen: Wind Art soll „Freude, Begeisterung und Staunen auslösen, Kinderaugen faszinieren und für Travemünde als Seebad imageprägend sein“, verspricht der Hausherr.

Über Gegenwart und Zukunft der Alten Vogtei soll in den kommenden Ausgaben der „Möwenpost“ mehr berichtet werden.

bs

 

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